AOK Bayern kippt Versorgungsvertrag

Die AOK Bayern verweigert dem mit KVB und bng abgestimmten Vertragswerk zur besseren Versorgung von Patienten mit Hepatitis C die Umsetzung.

Nachdem dank umfangreicher Vorarbeit zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB), dem Berufsverband der Magen-Darm-Ärzte (bng) und der AOK Bayern in mehreren gemeinsamen Sitzungen ein fertig abgestimmtes Vertragswerk zur besseren Versorgung von Patienten mit Hepatitis C auf dem Tisch lag, verweigert die AOK Bayern nun überraschend die Umsetzung.

Bei der unterschriftsreifen Vereinbarung zwischen der kassenärztlichen Vereinigung Bayern, den niedergelassenen Magen-Darm-Ärzten und der bayrischen AOK geht es darum, die Versorgung dieser chronisch schwer erkrankten Patienten mit neuen, hoch wirksamen Medikamenten vertraglich zu regeln. Diese neuen Behandlungen sind effektiv (ca. 90 Prozent Heilung der Hepatitis C) und nebenwirkungsarm.

Trotz gemeinsam von den Vertragspartnern erarbeiteten Regeln, die sicherstellen, dass nur jene Patienten die neuen Wirkstoffe erhalten, die nachgewiesenermaßen und unbestritten davon profitieren, zieht es die AOK in Bayern jetzt offenbar vor, die Steuerung der Therapie nicht vertraglich zu vereinbaren. „Durch offene und versteckte Drohungen mit Wirtschaftlichkeitsprüfungen gegen Ärzte versucht die AOK, die Zahl der zu behandeln Patienten möglichst gering zu halten“, erklärt der Regionalvertreter des Berufsverbandes der niedergelassenen Gastroenterologen (bng), Professor Dr. Hans-Dieter Janisch.

Bundesweit wirft dieses Verhalten Fragen auf. Warum soll in Bayern nicht - wie in anderen Bundesländern (u.a. Hamburg, Niedersachen) bereits erfolgreich umgesetzt - ein unterschriftsreifer Vertrag kurzfristig abgeschlossen werden? Durch die ablehnende Haltung der AOK in Bayern werden nachvollziehbare Behandlungspfade für Patienten mit chronischer Hepatitis C ausgehebelt. „Soll der kranke Bayer erst nach Hamburg umziehen, bevor er eine adäquate Behandlung erhält?“, fragt bng-Vorstandsmitglied Dr. Albert Beyer.

Die in Bayern vorgesehenen Regelungen unterscheiden sich nicht von denen in anderen Bundesländern. Sie sehen zusätzlich eine Optimierung der Patientenbetreuung durch eine vorgeschriebene Prüfung der Therapietreue vor. „Es ist zudem sehr bedauerlich“, so Professor Janisch, „dass die Verhandlungsführer der BKK, die für ihre Krankenkasse ebenfalls einen entsprechenden Versorgungsvertrag befürworten, ihre Entscheidung von der Unterschrift der AOK in Bayern abhängig machen. So bleibt Bayern eine Region, in der Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung - vermutlich aus rein finanziellen Gründen - in Bezug auf eine gut verträgliche und erstmals erfolgreiche Therapie unterversorgt sind.“

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